Die Chorgeschichte

 

Seit wann gibt es einen Kirchenchor in unserer Gemeinde? Diese Frage zu beantworten ist nicht einfach, da es keine Dokumentation über ein Gründungsdatum oder ähnliche Aufzeichnungen gibt. Beim Diözesancäcilienverband Münster liegen ein erster Eintrag und ein Jahresbericht von 1948 vor. Den Chor gab es aber schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg. Im weitesten Sinne kann man die Ursprünge des Kirchenchores Marienthal im Jahr 1886 sehen. In der Schulchronik der Kath. Volksschule Marienthal ist zu lesen, dass Lehrer Ahrenhoevel 1886 sein Amt als Lehrer, Küster und Organist antrat, und den durch Pfarrer Stelkens (seit 1885 in der Gemeinde tätig) begonnenen Kirchengesang verbesserte. Zudem setzte er die Einübung der gregorianischen Choräle fort.  Dies war damals ausschließlich den Männern vorbehalten. In der Folgezeit wurde der Chor von späteren Lehrern, die üblicherweise gleichzeitig als Küster, Organist und Chorleiter tätig waren, weiter ausgebaut.

Durch Lehrer Seitz, der von 1908 bis 1935 in Marienthal tätig war, haben erstmals Frauen im Kirchenchor mitgesungen. Die Proben fanden allerdings getrennt nach Frauen- und Männerstimmen statt: nachmittags probten die Frauen und abends die Männer. 1917 wurde Lehrer Seitz zum Heeresdienst einberufen und es fanden lange Zeit keine Proben statt. Der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit hinterließen im Chor deutlich ihre Spuren.

Kirchen- und Madrigalchor Marienthal im Garten des Bauern Johann Hartmann 1948 mit Dirigent Hans Dücker

Durch den Küstersohn Johannes Dücker, der Klavierschüler von Wilhelm Seitz war, und der sich später an der Folkwang Schule in Essen weiter ausbilden ließ, wurde der Probenbetrieb in den 1930er Jahren wieder richtig aufgenommen. Die ersten Proben mit „Hannes“ Dücker fanden ausschließlich mit Männern statt, doch bald schon erklang in der Klosterkirche wieder ein gemischter Chor. Der Zweite Weltkrieg brachte es mit sich, dass die meisten Männer und der Chorleiter selber zum Militär eingezogen wurden. Kurzzeitig übernahm Otto Abt die Leitung. Während des 2. Weltkrieges wurde der Chorgesang besonders durch die Mitglieder der damaligen Jungfrauenkongregation (eine Vorläuferorganisation der Katholischen Frauengemeinschaft) gestaltet. Nach dem Krieg übernahm Johannes Dücker wieder die Chorleitung. Die Proben wurden im damaligen Tagesraum über der Sakristei abgehalten. 1952 zog die Familie Dücker nach Düsseldorf und Johannes Dücker begann als Kantor in der dortigen Lambertuskirche seinen Dienst.

Ausflug des Kirchenchores Marienthal ins Ahrtal im Jahre 1957

Küster Hans Rupprecht leitete als Nachfolger den Chor bis zum Jahr 1960. Da ihm für die Probenarbeit kein Musikinstrument zur Verfügung stand (das Harmonium war „in die Jahre gekommen“) probte er mit den Frauen und Männern getrennt jeweils in seinem Wohnzimmer an seinem Klavier. Nach Hans Rupprecht wurde das Küsteramt von der Stelle des Kirchenmusikers abgetrennt. Lehrer Manfred Rother konnte als Organist und Chorleiter gewonnen werden. Durch seinen Umzug nach Wesel war zunächst kein Nachfolger da. Die Lehrerin Christel Hasebrink führte mit etwa 10 Männern und einer kleinen Gruppe aus Volksschulkindern unter dem Namen „Die Klosterspatzen“ die Tradition des Chorgesangs weiter. Mit der Auflösung der Marienthaler Volksschule 1968 war die Zeit der „Klosterspatzen“ leider vorbei. Während und auch nach dieser Zeit wurde die Orgel lange Zeit aushilfsweise von meist jungen Organisten gespielt. Zu nennen sind hier: Klaus Niggenkämper, Klaus Vogt, Christoph Schömig und Maria Bonhoff. Klaus Vogt war auch als Chorleiter bis zu Beginn seines Studiums tätig.

Erst mit Pfarrer Emil Müller wurde Kurt Buckting 1977 fest als Organist und Chorleiter eingestellt. Geprobt wurde im damaligen Pfarrsaal, dem heutigen Klostersaal. 1982 löste ihn Doris Röskenbleck ab, die bis 1986 aktiv war. Danach war Martin Demmerling bis 1995 Chorleiter und Organist. Die Proben fanden inzwischen im neu umgebauten Pfarrheim am Kirchweg, der damaligen Volksschule statt. 1995 bis 2000 leitete Ute Giesen den Chor. Tobias Henrichs übernahm die Aufgaben danach bis zu seinem Studienbeginn und anschließend löste ihn Annika Hartmann ab.

Kirchenchor Marienthal im Pfarrheim am 30. November 2002 mit Annika Hartmann

Annika Hartmann hat den Chor fast 10 Jahre geleitet, bis sie 2010 nach dem Studium in Köln als Kirchenmusikerin in Haan eine Stelle erhielt. Die Suche nach einer neuen Leitung war schwierig. Dankenswerterweise hat Tobias Henrichs ausgeholfen und eine 14-tägige Probenarbeit ermöglicht, so dass im Mai 2011 zum 25-jährigen Jubiläum des Karmel in Marienthal gesungen werden konnte. Reinhard Mensing, der den Chor in diesem Festgottesdienst gehört hat, und von der hohen Qualität des Gesangs beeindruckt war, hat sich auf die Stelle beworben und begann sofort mit der Arbeit. Im Oktober 2012 wurde Herrn Mensing eine Vollzeitstelle als Kantor in Gescher angeboten, so dass die Stelle wieder vakant war. Zum Glück konnte Dominik Giesen, ein Nachwuchstalent aus Wesel-Bislich, den Chor nahtlos weiterführen. Dominik hat nach dem Abitur sein Studium im Fach Katholische Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln aufgenommen und unseren Chor bis zum Herbst 2018 geleitet.

Marienthaler Kirchenchor 2014 mit Domink Giesen

Erfreulicherweise entstand mit seinem Weggang keine Lücke, weil sich Hans-Werner Winck aus Schermbeck, der seit vielen Jahren als Aushilfskantor in unserer Gemeinde tätig war, für die Tätigkeit interessierte. Mit Hans-Werner hat der Chor einen erfahrenen Chorleiter erhalten.

Das Repertoire unseres Chores reicht von Gregorianik, traditionellen Kirchenliedern, Kirchenmusik aller Stile und Epochen, festlichen und modernen Messen bis zu Gospels, neuen geistlichen Liedern und selbst komponierten Stücken unserer Chorleiter. Die feierliche Mitgestaltung der Gottesdienste und kirchlichen Feste ist die Hauptaufgabe des Chores. Dies war in der wechselvollen Geschichte immer das Hauptanliegen. Selbstverständlich sind auch gesellige Anteile im Chor wichtig und schön. Ausflüge, Geburtstagsfeiern, Singen zu Hochzeiten, Silberhochzeiten und zum Karneval machen das Gemeindeleben lebendig. Nicht zuletzt tut singen im Chor Körper, Geist und Seele gut und es macht sehr viel Spaß.

 

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